Der Darm und die Darmbakterien

Der Darm als Immun- und Abwehrorgan

Das Immunsystem ist das Abwehrsystem unseres Körpers. Es schützt uns vor Angriffen von Krankheitserregern und Allergenen.

Alle Flächen, die direkten Kontakt zur Außenwelt haben, verlangen vom Immunsystem eine besonders starke Abwehrleistung. Das sind die Haut mit etwa 1-2 qm, Tränenflüssigkeit und Schleimhäute. Dabei vollbringen vor allem die Schleimhäute eine besondere Leistung – allen voran die Darmschleimhaut. Denn sie hat aufgrund der Darmzotten eine stark vergrößerte Oberfläche. Damit bietet sie eine besonders große Angriffsfläche für Krankheitserreger aus der Nahrung und der Umwelt. Kein Wunder also, dass sich hier 80% aller Immunzellen befinden.

Übrigens sind alle Haut- und Schleimhautregionen des Körpers über das lymphatische System netzartig miteinander verknüpft. So können bei Bedarf im gesamten Organismus Abwehrzellen aktiviert und gebildet werden.

Der Darm ist Trainingslager für Immunzellen und produziert Antikörper

Die Abwehrzellen in der Darmschleimhaut sind ständig in Kontakt mit allen Bestandteilen des Verdauungsbreis, also sowohl mit gesundheitsfördernden Nahrungsmitteln als auch mit Krankheitserregern und Schadstoffen. So trainieren sie rasch zu unterscheiden, was im Nahrungsbrei (Darminhalt) für den Körper nützlich oder schädlich sein kann. Werden die Abwehrzellen aktiviert, können sie passgenaue Antikörper gegen den jeweiligen Krankheitserreger bilden. Etwa 60% dieser Antikörper werden von den Immunzellen der Darmschleimhaut abgegeben. Die aktivierten Immunzellen gelangen über die Blutbahn in den ganzen Körper. Dort geben sie bei Kontakt mit dem jeweiligen Krankheitserreger ihre Antikörper ab.

Ein intaktes und aktives Immunsystem im Darm verbessert also die Abwehrkräfte des ganzen Organismus. Die Kommunikationswege dieses immunologischen Netzwerks sind bis heute erst teilweise erforscht. Die bisher bekannten Zusammenhänge lassen aber bereits die enorme Komplexität der körpereigenen Immunabwehr erkennen.

Der Darm wehrt auch physikalisch Krankheitserreger ab

Allein schon aufgrund der zähflüssigen Beschaffenheit der Schleimschicht und der fest miteinander verbundenen Epithelzellen ist die Darmschleimhaut für Krankheitserreger schwer zu durchdringen.

Die Darmbakterien besiedeln die Oberfläche der Schleimschicht. Durch die Besetzung dieses begrenzten Lebensraumes und den Verbrauch von Nährstoffen werden schädliche Bakterien an der Ansiedlung im Darm gehindert und verdrängt. Auf der anderen Seite unterstützt die gesunde Darmmikrobiota die Darmschleimhaut, indem sie die Zellen mit Nährstoffen versorgt.

Außerdem produzieren die nützlichen Darmbakterien Substanzen, die schädliche Bakterien, Keime und Giftstoffe unschädlich machen.

So helfen die Darmbakterien bei der Abwehr

  • Gute Bakterien siedeln sich im Darm an und besetzen die Lebensräume im Darminneren und an der Darmschleimhaut. So bilden sie ein Schutzschild und verhindern, dass möglicherweise krankmachende Bakterien oder Pilze den Darm besiedeln und sich vermehren können.
  • Einige Arten von Darmbakterien produzieren antimikrobielle Stoffe , die krank machende Bakterien vertreiben und abtöten.